Herr Duden und die Sprachpanscher

Der Verein Deutscher Sprache hat getagt und den Sprachpanscher des Jahres 2013 gekürt. Und der Preis geht an… den Duden. Ups. Lese ich da richtig? Ausgezeichnet wurde er, weil er „sprachliches Imponiergehabe“ fördere und ihm quasi den amtlichen Ritterschlag verleihe. Aha. Irgendwie scheine ich da etwas verpasst zu haben, immerhin benutze ich den Duden auch und drücke mich trotzdem allgemeinverständlich aus. Sie konnten mir doch bis hierher folgen, oder?

Außerdem beklagt der Verein sich, dass einige Wörter jetzt rausfallen und andere wiederum nicht im Duden vertreten sind. Seien wir mal ehrlich: Brauchen wir diese verabschiedeten Wörter denn wirklich noch? Manche Sachen fallen schlichtweg deshalb weg, weil sie nicht mehr relevant oder sogar nicht mehr existent sind. Es wird schon einen Grund haben, warum die „Nestelstifte“ bereits in meiner Kindheit nicht mehr im Duden vertreten waren. „Buschklepper“ kling zwar malerisch, aber welcher Bösewicht stellt sich noch brav hinter den Busch und wartet auf Opfer? Nennen wir die Halunken doch gleich beim richtigen Namen: Räuber, Diebe, Vergewaltiger. Spitzbuben eben. Und die Dragonade… sind hier ein paar Dragoner anwesend?

Ja, den Klapprechner könnte man schon einführen (auch wenn sich die Mehrheit der erwähnten rund 35.00 Google-Treffer eher über diese Bezeichnung lustig macht statt sie ernsthaft zu gebrauchen). Ich werden meinen allerdings weiterhin als Schoßhund bezeichnen, in Unterscheidung zum stationären Blechtrottel (übrigens auch ein schönes Wort, warum ist das nicht im Duden?), an dem ich tagein, tagaus meiner Arbeit nachgehe. Der Blechtrottel und seine Kollegen sind auch der Grund dafür, dass „adremieren“ aus dem Duden entfallen kann. Wer benutzt noch eine Adrema? Bitte melden. Das nächste Museum interessiert sich gewiss dafür.

Der Sprachpanscher-Preis kommt aber nicht allein, über Platz zwei darf sich Wolfgang Schäuble „freuen“, weil er sich beharrlich weigere, Dolmetscher in Anspruch zu nehmen und lieber selbst Englisch spricht, womit er alle Versuche torpediere, Deutsch in der EU als „echte Arbeitssprache“ zu etablieren. Was für eine Haarspalterei. Wenn ich eine Sprache verhandlungssicher kann, kann ich auch darin verhandeln. Es käme mir persönlich echt lächerlich vor, dann auf die Dienste eines Dolmetschers zurückzugreifen.

Mir scheint, als hätte die Gesellschaft für Deutsche Sprache dieses Jahr keine richtig gute Zielscheibe für ihre Kritik gefunden. Keine Jil Sander wo man nicht recht weiß, ob das jetzt Deutsch oder Englisch sein soll, kein Kölner Telefonanbieter, dessen Colon-Tarif sprachlich ganz offensichtlich für den A…llerwertesten ist, und eine gewisse fehlerhafte Radiowerbung (die inzwischen sogar korrigiert wurde) ist ihnen offenbar auch entgangen.

Ab und zu muss man eben entrümpeln. Wenn alle Wörter drin blieben, die irgendwann mal von Bedeutung gewesen waren, wäre der Duden inzwischen wahrscheinlich mehrere Kilos schwer. Manche Begriffe sind eben nur noch für Historiker und Museumsmitarbeiter relevant. Mein Vorschlag zur Güte: Wie wäre es mit einem Spezialduden „aussterbende und ausgestorbene Wörter und ihre Bedeutung“. Das wäre bestimmt ein interessanter Spaziergang durch die Geschichte.