Das Abenteuer einer Romanübersetzung – Teil 3

weißes a 4Anfang September gibt es Neuigkeiten aus England, die Autorin schickt eine Liste mit „letzten Änderungen“. Das Dokument umfasst auch nur zwei luftige Seiten, aber leider kann ich damit nichts anfangen. Es ist zwar schön, zu wissen, dass sie auf Seite 283 eine Zeile im Dialog gestrichen hat, aber abgesehen davon, dass sich in meiner Textdatei auf Seite 283 kein Dialog befindet, wüsste ich gerne, welche Zeile sie gestrichen hat. Leute, so kann ich doch nicht arbeiten. Auf Nachfrage bekomme ich einen Tag später die Datei mit der endgültigen Textfassung, damit ich diese letzten Änderungen besser nachvollziehen kann. Schon beim Öffnen der Datei sehe ich es: Es sind weitaus mehr als nur „ein paar letzte Änderungen“. Der Prolog erzählt jetzt eine komplett andere Geschichte. Und auch dahinter ist wieder ziemlich viel rot markiert. Offenbar hat es zwischendurch eine weitere Textversion gegeben, die aus unerfindlichen Gründen den Weg bis zu mir nach Deutschland nicht geschafft hat, so dass ich wiederum mit einer nichtaktuellen Fassung gearbeitet habe. Klasse. Also noch einmal alles von vorne auf Änderungen durchsehen. Und wieder landet seitenweise Text im Papierkorb. Seufz.

Nach knapp 300 Seiten begegnet mir ein bereits bekanntes Phänomen: Der Text ist ab jetzt komplett rot. Lustigerweise ist er erst rot und durchgestrichen und danach folgt der gleiche Text noch einmal rot und nicht durchgestrichen. Aha. Also greifen wir doch wieder zu Trick siebzehn und kopieren den restlichen Text in zwei neue Dateien – und der Text bleibt rot. Es hat sich nichts geändert, wieder steht der Text zuerst rot und durchgestrichen in der Datei und wird dann noch einmal rot und nicht durchgestrichen hinten drangehängt. Arrg! Also versuchen wir es noch einmal, portionsweise. Und es klappt, endlich zeigt Word mir nur die tatsächlichen Veränderungen an. Aber wehe, ich vergleiche mehr als jeweils ein Kapitel auf einmal. Vermutlich sind die Formatierungen daran schuld, das Manuskript ist anscheinend schon für den Druck vorbereitet worden. Warum das Phänomen erst ab dem dritten Teil des Romans auftritt, erschließt sich mir allerdings nicht. Gut, ich muss ja nicht alles verstehen. Wenigstens fängt mein Computer jetzt nicht auch noch an zu spinnen. Nicht wahr??? Komm jetzt bloß nicht auf dumme Ideen, Blechtrottel.

Ende September, es ist geschafft und der Text abgegeben. Endlich wieder Zeit für die anderen schönen Dinge im Leben. Aber die lektorierte Fassung kommt bestimmt …

(Bild: Birte Mirbach)