ÖPNV in den Niederlanden oder: Wenn einer eine Reise tut … kommt er manchmal gar nicht erst rein

Ich weiß nicht, ob die Niederländer so unendlich viele Schwarzfahrer haben oder ob sie es einfach leid waren, ihnen ständig hinterherzukontrollieren, auf jeden Fall sind sie auf die glorreiche Idee gekommen, Schranken aufzustellen, um diese schwarzen Schafe am fahrkartenlosen Betreten der Busse, Bahnen und Bahnhöfe zu hindern. Wer die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen will, muss zuerst seine Chipkarte zücken und scannen, sonst kommt er nicht weit. Aber damit nicht genug, auch beim Verlassen des Busses oder des Bahnhofs heißt es Chipkarte raus und scannen, sonst denkt der Zähler, dass du immer noch Bus & Bahn benutzt, und tickt gnadenlos weiter. Das könnte am Ende teuer werden, denn abgerechnet wird erst zum Schluss … Und dem unwissenden Besucher, der mit dem Zug aus dem Ausland ankommt, beschert die Chipkarte ein Abenteuer. Oder auch graue Haare, je nachdem, wie man gestrickt ist.

Dass ich das letzte Mal mit dem Zug in die Niederlande gefahren bin, ist schon eine Weile her, so ungefähr zu Beginn der Handy-Ära. Also genug Zeit, einige Dinge komplett auf den Kopf zu stellen. Ich wusste theoretisch von den Chipkarten, aber als notorische Fußgängerin hatte ich mich nicht weiter damit beschäftigt. Wenn ich Amsterdam per pedes erobern kann, dann Leiden doch erst recht, zumal ÖPNV für mich gleichbedeutend ist mit „Bus & Straßenbahn“ und nicht mit „Zug“ und schon gar nicht „Fernzug“. Also ab in den ICE und gemütlich gen Niederlande gedüst. Als ich dann in Leiden ankam und den Bahnhof verlassen wollte, stand ich allerdings vor einem Problem, oder vielmehr einer geschlossenen Schranke. „Bitte ÖPNV-Fahrkarte scannen“ forderte mich ein Schild daran auf. Äh, schön, ich hatte keine. Und nun? Komme ich vielleicht auf der anderen Bahnhofsseite raus? Aber nein, es gab kein Entkommen. Der gesamte Bahnhof war von scannerbewehrten Schranken umzingelt. Also konnte ich entweder beweisen, wie sportlich ich bin und mit meinem vollgepackten Reiserucksack über die fast nasenhohe Schranke hinweg flanken, oder mir so eine Chipkarte besorgen. Ich entschied mich für die dritte Variante (Kontrolleure bitte weghören äh –lesen) und schlüpfte einfach hinter jemand anderem durch.

Ich hatte dann den ganzen Urlaub lang Zeit, herauszufinden, welches die korrekte Vorgehensweise ist. Und die sieht so aus, dass man seine Zugfahrkarte dem Scanner vor die Sensoren hält. Theoretisch öffnet sich das Sesam dann. Theoretisch. Ich weiß nicht, ob er was gegen auf Papier ausgedruckte Fahrkarten hat, wieder hätte geputzt werden müssen oder ob ihm die Fahrkarte nicht mehr glatt genug war, er hat sie jedenfalls nicht akzeptiert, und ich musste wieder auf Variante Nr. 3 zurückgreifen, um nach Hause zurückkehren zu können.

Das nächste Mal sollte ich vielleicht mit dem Boot in die Niederlande einreisen. Zumindest habe ich bei den Anlegestellen noch keine Scannerschranken gesehen.