Und der Literaturnobelpreis geht an …

Ausgerechnet Tansania. Der Literaturnobelpreis geht dieses Jahr an einen Autoren aus meinem afrikanischen Lieblingsland. Aber wer jetzt gerne Abdulrazak Gurnah kennen lernen möchte, hat Pech gehabt; aktuell sind seine englischsprachigen Bücher in Deutschland vergriffen und deutsche Ausgaben sowieso nicht mehr auf dem Markt. Und nur wenige seiner Romane sind als E-Book erhältlich. Bis seine Werke nachgedruckt bzw. neue Bücher übersetzt sind, kann man sich aber vielleicht mit anderen tansanischen Autoren trösten.

Die letzten Male, die wir in Tansania waren, bin ich einfach in Arusha in die Buchhandlung beim Clocktower gegangen und habe mich dort umgesehen. Okay, so manches bleibt mir vorenthalten, da meine Suahelikenntnisse nicht für die Lektüre eines Buches reichen, aber im englischen Regal fand sich doch auch einiges Interessantes. Eine Entdeckung war zum Beispiel S. Ndunguru, von dem ich mittlerweile mehrere Bücher besitze. In seinen Romanen nimmt er immer wieder die lokalen Verhältnisse aufs Korn und weist auf Missstände hin. „The Lion of Yola“ befasst sich beispielsweise mit der Umsiedlung von Menschen in die sogenannten Ujama-Dörfer, einer Art von Kooperative, in denen Menschen aus ganz Tansania gemeinsam leben und arbeiten sollten. Ursprünglich sollte die Umsiedlung in diese Dörfer freiwillig erfolgen, doch als nach sechs Jahren die Anzahl der Menschen in diesen Dörfern immer noch bei nur 15 % der Bevölkerung lag, kam es zu Zwangsumsiedlungen in größerem Ausmaß. Inzwischen ist diese Phase des afrikanischen Sozialismus in Tansania allerdings Geschichte. In „A Wrath for Fr. Mayer“ geht es unter anderem um Aberglauben, der die Menschen dazu veranlasst, lieber zu Quacksalbern zu gehen statt sich von einem richtigen Arzt behandeln zu lassen. Das Ganze verpackt Ndunguru in eine Kriminalgeschichte. „Spared“ wiederum ist vordergründig ebenfalls eine Kriminalgeschichte, die nebenbei zeigt, wie korrupt Politiker und Amtsträger oft sind und ihre Position zur persönlichen Bereicherung ausnutzen.

Bisher sind noch keine Bücher von ihm ins Deutsche übersetzt worden, aber immerhin sind sie auf Englisch teilweise auch in Europa erhältlich.

Ein weiterer interessanter Autor, über den ich gestolpert bin, ist David Read. Read ist als Sohn britischer Eltern in Tanganyika, dem heutigen Tansania, in Tuchfühlung mit den Massai aufgewachsen. In „Barefoot over the Serengeti“ erzählt er von seiner Kindheit und der intensiven Freundschaft zu den Massaijungen. Man lernt dabei eine Menge über dieses Volk und seine Kultur. Mit Ausnahme von „Die Wasser des Sanjan“, dem einzigen nichtautobiografischen Roman, sind seine Bücher nicht ins Deutsche übersetzt worden, aber immerhin sind die englischen Ausgaben in Deutschland übers Internet erhältlich.

Und wer gerne Hörbücher hört, findet vielleicht an den Werken von Muhammed Said Abdulla Gefallen. In seinen Romanen schickt der Autor den sansibarischen Detektiv Bwana Msa los, der an Sherlock Holmes erinnert. Gedruckte deutsche Übersetzungen gibt es von seinen Büchern nicht, aber immerhin sind die ersten beiden Bände, „Der Geisterwald der Ahnen“ und „Der Brunnen von Giningi“ als deutschsprachige Hörbücher erschienen.

Falls Sie jetzt neugierig geworden sind, freut mich das.